Daten im Betrieb

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Der Zufall will, dass letzten Samstag ein paar Dinge – Arbeiten und Meldungen in der Presse – zusammen gekommen sind, die mich nach langer Zeit wieder zu einem Eintrag im ‚Daten im Betrieb‚ Blog verleiten.

Zum einen hab ich an diesem Samstag endlich die Reinschrift eines Buchbeitrags begonnen, der ganz gut in dieses Blog passen und Beiträge aus unserem Blog zitieren wird. Der Artikel hat Interessenskonflikte zwischen Arbeitgebern und ArbeitnehmerInnen im Universum des World Wide Web zum Thema und berichtet von drei vier Fallbeispielen tatsächlich vorgefallenen Konflikten rund um Betriebsratsblogs; natürlich anonymisiert, um welche Personen und Unternehmen es geht. Den Rest des Beitrags lesen »

Ein schon etwas älteres Interview mit Dirk Baecker, einem der bekanntesten und bedeutestend deutschsprachigen Soziologen der Gegenwart. Die Frankfurter Rundschau befragte den Soziologen mit Blick auf die Datenschutzproblematik zu Loyalität, Vertrauen und Datenkontrolle in Unternehmen.

Hier ein paar Auszüge, hier z.B. zur Brauchbarkeit der dem Datensammelwahn der Unternehmen entsprungen Daten:

Sind die Daten, die aus solchen Screenings gewonnen werden, für ein Unternehmen denn überhaupt brauchbar?

Um einem Verdacht nachzugehen und ihn entweder zu bestätigen oder aus der Welt zu schaffen, sind sie allemal brauchbar. Man darf nur nicht den Fehler machen, die gewonnenen Daten bereits für einen Beweis zu halten, dass das befürchtete Verhalten tatsächlich vorliegt.

Der Datensammelwahn, nicht zuletzt ein Zeichen von Unfähigkeit und schlechtem Management: Den Rest des Beitrags lesen »

Das selbe alte und altbekannte Spiel:
ein Unternehmen fühlt (1) sich von den „Gesetzen des Marktes“ her berechtigt, jegliche auch Persönlichkeits- und Arbeitsrechte verletzende Praxis zur eigenen Gewinnmaximierung einzusetzen, wird (2) bei solchen Praxen ertappt und spielt daraufhin sofort (3) die Öffentlichkeitsarbeit-Strategie, dass man als Unternehmen diese Praxen schon abgestellt habe und ein superduper-netter Arbeitgeber voller Verantwortung sei.

Dieses Spiel kann freilich nicht nur einmal betrieben, sondern nahezu beliebig oft wiederholt werden. Das hat zuletzt der Herr Ex-Bahnchef Ich habe mir nichts vorzuwerfen Mehdorn in endlosen Schleifen durchexerziert und schließlich tatsächlich überstrapaziert. (jetzt soll Mehdorn Innenminister werden 😉 )

Jetzt ist es wieder eines der Handels-Unternehmen mit der fröhlichen Managementphilosophie, durch Druck, Stress und Überwachung die letzte Optimierung aus dem eigenen – leider notwendigen – Arbeitsvieh herauszupressen, an der Reihe das Spiel von Bespitzelung, ertappt werden, sich als guter Arbeitgeber präsentierten aufzuführen.
Ja, der Diskonter Lidl ist gemeint.
Weiterlesen …

Die aktuellen Fälle von großangelegter Bespitzelung und Mißachtung von Datenschutzrechten usw. werfen die Frage auf, wie hoch wohl die Dunkelziffer solcher Datensammel– und Datenmißbrauchsfälle ist?

Weitere, andere, ausführlichere Antworten bitte als Kommentar unten posten.

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Die Frankfurter Rundschau berichtet über das System, wie die großen Konzerne – hier die Deutsche Bahn und die Deutsche Telekom – ihre Mitarbeiterüberwachung Bespitzelung organisieren:

Langsam wird das System der Überwachung deutlich: Die Daten von Hunderttausenden Mitarbeitern ließen Telekom und Bahn extern überprüfen. Ohne klaren Auftrag und ohne Kontrolle der Konzerne konnten kleine Detekteien wie Network mit nur sechs Mitarbeitern und Argen mit nur vier Mitarbeitern auf riesige Datensätze zugreifen.

Das System ist bekannt, modern und naheliegend; und es heißt Out-Sourcing. Der Auftrag zur Bespitzelung wird an „Spezialisten“ vergeben. Das hat freilich auch den Vorteil – im Fall des Falles -, dass sich die Verantwortung für die konkreten Aktionen – wenn sie unglücklicherweise publik werden sollten – zu einem guten Teil auf das beauftragte Unternehmen abwälzen lassen.

zum ganzen Artikel geht es übrigens hier.

Nicht genug, dass die Unternehmensleitung offensichtlich 70% der eigenen Belegschaft verborgener und wohl sehr wahrscheinlich illegaler Weise bespitzelt, nein, man versucht auch die Aufklärung zu behindern, die Aufklärer zu diffamieren und die Berichterstattung zu behindern!

Mit einer Klagsdrohung soll verhindert werden, dass ein Bericht des Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit im WWW Online einseh- und d/l-bar ist.
(Hier die Seite des Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit)

Tja, mit Datenschutz und Informationsfreiheit haben viele Unternehmen keine Freude. Quasi nach dem Motto:

Nur wenn sie ihre Daten schützen können, können sie ihre Datenschutzvergehen im Verborgenen halten.

Nachtrag:
Auch die futurezone berichtet schon von der Abmahnung und Klagsdrohung der Deutschen Bahn gegenüber dem Netzpolitik-Blog.

Die Fälle häufen sich. Ein Unternehmen bespitzelt die eigenen MitarbeiterInnen im ganz großen Stil, Marke „Rasterfahndung„.

Das heißt freilich eigentlich: es häufen sich die Fälle, in denen diese illegalen Praktiken an die mediale Öffentlichkeit kommen. Die Dunkelziffer der Unternehmen, die sich solcher Praktiken bedienen ist ungleich höher. (Siehe dazu ua. den letzten Beitrag.)

Deutsche Bahn bespitzelt im großen Stil
Im Fall der Deutschen Bahn Unternehmensführung kommt noch ein gehöriges Maß an Chuzpe hinzu. Hier wird nicht nur bespitzelt was das Zeug hält – inkl. Familienmitglieder von MitarbeiterInnen – sondern das verbotene Vorgehen auch noch als „Korruptionsbekämpfung“ verteigt.
Der Chef der Deutschen Bahn verteidigt das verbotene Vorgehen nun nicht nur sondern schließt weitere Bespitzelungen nicht aus!

173.000!!! von 240.000 MitarbeiterInnen werden ohne irgend ein Verdachtsmoment bespitzelt und das wird dann Korruptionsbekämpfung genannt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits. Mittlerweile rudert auch die Unternehmensleitung zurück, freilich mit beschönigenden und uneinsichtigen Verdrehungen. Angeblich „steht der Job des Bahnchefs auf dem Spiel„. Man fragt sich, wie angesichts solcher Vorgänge, nur der Job nur „auf dem Spiel“ steht?


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