Daten im Betrieb

Bahn zahlte Millionen für Täuschung und Schlecker führt Kündigungslisten

Posted on: 2. Mai 2011


Der Zufall will, dass letzten Samstag ein paar Dinge – Arbeiten und Meldungen in der Presse – zusammen gekommen sind, die mich nach langer Zeit wieder zu einem Eintrag im ‚Daten im Betrieb‚ Blog verleiten.

Zum einen hab ich an diesem Samstag endlich die Reinschrift eines Buchbeitrags begonnen, der ganz gut in dieses Blog passen und Beiträge aus unserem Blog zitieren wird. Der Artikel hat Interessenskonflikte zwischen Arbeitgebern und ArbeitnehmerInnen im Universum des World Wide Web zum Thema und berichtet von drei vier Fallbeispielen tatsächlich vorgefallenen Konflikten rund um Betriebsratsblogs; natürlich anonymisiert, um welche Personen und Unternehmen es geht.

Während der Arbeit am Buchbeitrag sind dann in kurzem Abstand zwei Zeitungsartikel bei mir gelandet, einmal zu den guten alten Bekannten dieses WatchBlogs, der Deutsche Bahn, und dann zu guten alten Bekannten, wenn es um menschenunwürdige Managementmethoden und Datenlecks geht, dem Handelskonzern von Schlecker.

Die Deutsche Bahn wurde im hier schon das eine ums andere mal gewürdigt, jetzt schreibt das Handelsblatt:

Die Deutsche Bahn hat nicht nur Telefonverbindungen und E-Mails von Mitarbeitern beim Verdacht von Korruption und Geheimnisverrat ausgespäht: Wie der Konzern am Donnerstag zugab, hat er auch Millionenbeträge ausgegeben, um durch manipulierte Umfragen und bezahlte Leserbriefe die öffentliche Meinung zu beeinflussen.Allein 2007 wurde nach Angaben der Bahn ein Betrag von knapp 1,3 Mio. Euro für sogenannte „No badge“-Aktivitäten ausgegeben. Dazu zählen unter anderem Beiträge in Internet-Blogs, Leserbriefe, Meinungsäußerungen in Foren, Meinungsumfragen oder vorproduzierte Medienbeiträge, bei denen der Urheber beziehungsweise Auftraggeber nicht zu erkennen ist. Ob weitere Aufträge vor und nach 2007 vergeben wurden, ist nicht bekannt.

Hier geht es zum vollständigen Artikel.

SpOn berichtet ad Schlecker, wenig überraschend sind wieder einmal Listen aufgetaucht, die die Managmentmethoden des Konzern belegen:

Schlecker scheint nicht dazuzulernen – dafür spricht nach SPIEGEL-Informationen eine Liste, auf der sich Dutzende Namen missliebiger Mitarbeiter befinden.
Das Papier unter dem Titel „Maßnahmenpaket Personal-Qualität“ ist nach SPIEGEL-Informationen 20 Seiten lang und sammelt die Namen von Dutzenden ebenso langjährigen wie missliebigen Angestellten im gesamten Bundesgebiet. Manche waren im Betriebsrat, fast alle hatten hohe Gehaltsstufen erreicht und waren entsprechend teuer geworden.

… hier gehts zum Beitrag auf Spon, Focus hat die Story hier.

Passt alles ganz gut zu dem Buchbeitrag in Arbeit, auch wenn der ganz andere Fallbeispiele dokumentiert. Nämlich die empörten und gerne übers Ziel schießenden Reaktionen von Geschäftsführungen, wenn Betriebsräte es wagen, im Internet auch nur irgendetwas zu publizieren. Dann wird schnell von (1) Geheimnisverrat gesprochen und (2) von bösen Unternehmensnachrichten. Als würden die Betriebsräte die unliebsamen Unternehmensnachrichten produzieren und nicht die Unternehmen selbst.

Der Buchbeitrag wird im Handbuch «Soziale Bewegungen und Social Media» enthalten sein, das Anfang September erscheinen wird. Einige Beiträge des Buches sind übrigens schon online und darunter auch ein ebenso spannender wie berühmter Fall von Überwachungswahnsinn. (Hier ein aktueller Überblick zum Stand des Buchprojekts.)

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