Verfasst von: hc voigt in: 6. Juli 2009
Ich frage mich ja schon seit geraumer Zeit, wie hoch wohl die Dunkelziffer der Bespitzelungsfälle ist und wann auch hierzulande einmal ein größerer Fall medienbekannt wird …
Nun, es ist soweit
… berichtet die ORF futurezone mit Bezug auf das Profil.
Wir kennen die Praktiken von den in Deutschland publik gewordenen Fallbeispielen. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass diese Praktiken von Arbeitgeberseite in Österreich unbekannt wären. Immerhin gibt es auch hierzulande Firmen, die sich auf das Angebot und Knowhow von MitarbeiterInnen-Überwachung spezialisiert haben.
Die Ökonomie der Mitarbeiterbespitzelung
Interessant ist, dass hier immer wieder ein großer, bekannter Name fällt, obwohl es zumeist kleine Spezialisten sind, die „MitarbeiterDatenAuswertung“ anbieten:
Die Techniker von Siemens rückten an einem Wochenende an. Im Gepäck hatten sie Kameras, die so klein sind, dass man sie gut hinter Deckenblenden verstecken kann. Kein Mitarbeiter sollte bemerken, dass ab diesem Tag im Frühjahr 2003 eine Vielzahl von Räumen des Welser Unternehmens Tiger Lacke ständig beobachtet wurde.
… so beginnt der Artikel im Profil.
Das fehlende Problembewusstsein
Interessant ist die Begründung der Unternehmensführung für die heimliche Einführung einer Bespitzelungsökonomie im Betrieb. Und zwar weist die „Tiger-Geschäftsführung darauf hin, dass im Jahr 2003 Datenschutz gesellschaftlich noch nicht so sensibel betrachtet worden sei wie heute„.
Das ist natürlich Augen öffnend: Das Ausspionieren war zwar damals genauso verboten, ungesetzlich und natürlich auch unmoralisch, aber: es war gesellschaftlich noch … egal? Und: deswegen habe man es gemacht! Wie ist das denn zu werten, als Geständnis der vorsätzlichen Gesetzesübertretung?
„Aus heutiger Perspektive würden wir das anders machen“
… zitiert das Profil die Geschäftsführung im O-Ton. Worunter wir uns jetzt viel vorstellen können.
Wenn die Unternehmensführung den Vorsatz der Gesetzesverletzung gar nicht leugnet sondern meint, gesellschaftlich wäre die Bespitzelung von Arbeitnehmern kein so sensibles Problem und daher hätte man hier bis vor kurzem unbemerkt agieren können, dann heißt das „es-heute-anders-machen“ wohl, dass die Geheimhaltung wichtiger ist, oder?
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